Das Produktprinzip, das mir dabei am wichtigsten ist, ist einfach: Ein Szenarioergebnis muss sich fachlich hinterfragen lassen.
Treasury kann einen gestressten Portfoliowert auf viele Arten berechnen. Schwieriger ist es, zu erklären, wie diese Zahl zustande gekommen ist, wenn CFO, Controlling oder Wirtschaftsprüfung nach der Grundlage fragen.
Deshalb möchte ich nicht, dass Scenario Analysis eine Zahl liefert, der Nutzer einfach vertrauen sollen. Die Evidenz sollte bereits vorhanden sein, damit sich das Ergebnis nachvollziehen und prüfen lässt.
Eine gemeinsame Bewertungs-Engine war die erste Designentscheidung
Scenario Analysis läuft über dieselbe Bewertungs-Engine wie die Standard-Marktbewertung.
Geschäfte und Bewertungsmethodik bleiben gleich. Das Szenario verändert die relevanten Marktparameter.
Das ist für mich wichtig, weil ein zweites Modell automatisch ein zweites Wartungs- und Abstimmungsproblem schafft. Die Standardbewertung unterstützt bereits die Marktwerte und - bei relevanten Transaktionen - die Buchungen für realisierte und unrealisierte Effekte, die Finance nutzt. Das Szenario sollte auf dieser Berechnungsgrundlage aufbauen und keine parallele Logik schaffen.
Ein gutes Szenario hat Annahmen, die Fachanwender sofort verstehen
Ein Szenario sollte verständlich sein, bevor jemand auf das Ergebnis schaut.
Eine Zinsbewegung von +100 Basispunkten ist eindeutig. Eine definierte FX-Veränderung ebenfalls. Nutzer können ein Szenario benennen und beschreiben, es auf relevante Exposures anwenden oder gezielt bestimmte Zinskurven und Währungen auswählen und dieselbe Definition später wiederverwenden.
Diese Klarheit ist in Risikodiskussionen entscheidend. Ein Sensitivitätsergebnis lässt sich wesentlich besser hinterfragen, wenn alle Beteiligten genau verstehen, welche Marktbewegung getestet wurde.
Parallelverschiebungen der Zinskurve sind der aktuelle Ausgangspunkt
Release 2026.11 startet mit Parallelverschiebungen von Zinskurven. Eine ausgewählte Kurve wird über ihre Laufzeiten hinweg um den definierten Wert verschoben; für unterschiedliche Zinskurven können dabei unterschiedliche Verschiebungen festgelegt werden.
Damit wird die Art von Stresstest abgedeckt, die häufig für IFRS-7-Reporting und in Treasury-Risikodiskussionen verwendet wird.
Granularere Schocks je Laufzeit und Szenarien auf Basis separater Marktdatensätze sind vorgesehen. Diese Reihenfolge halte ich für sinnvoll, weil die Kernanalyse zunächst zuverlässig und wiederholbar funktionieren sollte, bevor zusätzliche Modellierungsoptionen hinzukommen.
Das Bewertungsprotokoll muss die Berechnung auf Einzelgeschäftsebene zeigen
Für die erste Diskussion reicht das Portfolioergebnis. Bei Rückfragen wird das Bewertungsprotokoll entscheidend.
Für ein einzelnes Geschäft können Nutzer nachvollziehen, wann die Bewertung durchgeführt wurde, wer sie angestoßen hat, welche Marktdaten verwendet wurden und wie die Berechnung im Detail zum Ergebnis geführt hat - einschließlich der relevanten Cashflows. Standardbewertung und Szenarioergebnis stehen dabei im selben Kontext zur Verfügung.
Diese Detailtiefe wird nicht täglich gebraucht. Entscheidend ist, dass sie verfügbar ist, sobald jemand wissen möchte, woher die Zahl kommt.
Scenario Analysis sollte das Portfolio abdecken, das Treasury tatsächlich steuert
Ich möchte außerdem, dass die Szenarioanalyse die Instrumente abbildet, die das tatsächliche Exposure des Unternehmens bestimmen.
Dazu gehören FX-Forwards, Swaps und Spot-Geschäfte, Zinsswaps und Cross-Currency-Swaps, Darlehen, Einlagen, Anleihen und Diskontinstrumente. Bei variabel verzinsten Positionen werden die zukünftigen Cashflows mit den im Szenario definierten Zinssätzen neu prognostiziert.
Das Risiko, das Aufmerksamkeit verdient, steckt nicht immer in dem Instrument, auf das ohnehin alle schauen. Eine breitere Abdeckung hilft Treasury zu erkennen, woher die Sensitivität tatsächlich kommt.
Gespeicherte Ergebnisse bleiben auch später überprüfbar
Ein Szenarioergebnis sollte auch Monate nach der Berechnung noch verfügbar sein.
Nomentia speichert Ergebnisse je Geschäft und Bewertungsstichtag, einschließlich der Werte in der ursprünglichen Transaktionswährung, der Buchungswährung und der Konzernwährung. Treasury kann die Berechnung später wieder öffnen, anstatt nachträglich rekonstruieren zu müssen, was zu einem früheren Berichtszeitpunkt gezeigt wurde.
Das gehört für mich zum Audit Trail. Ein Team sollte nachvollziehen können, welche Informationen zu einem bestimmten Zeitpunkt vorlagen und welche Evidenz hinter dem damaligen Ergebnis stand.
Kontrolle gehört an die Stelle, an der sich die Szenariodefinition ändert
Für das Erstellen und Bearbeiten von Szenarien gibt es ein eigenes Benutzerrecht. Änderungen an den Szenariodefinitionen werden protokolliert.
Das breitere Team kann freigegebene Szenarioergebnisse trotzdem in den Reports von Deal Management und Transactions verwenden, ohne diese Konfigurationsberechtigung zu benötigen.
Diese Trennung ist bewusst gewählt. Die Annahmen sollten von den dafür autorisierten Fachanwendern kontrolliert werden, während die daraus entstehenden Informationen im täglichen Treasury praktisch nutzbar bleiben.
IFRS 7 ist ein Grund für Szenarioanalysen - aber nicht der einzige
IFRS 7 gibt Unternehmen einen formalen Anlass, Sensitivitätsanalysen für Marktrisiken durchzuführen. Treasury hat jedoch viele weitere Gründe, diese Szenarien auch unterjährig verfügbar zu halten.
Ein gespeichertes Zinsszenario kann eine Refinanzierungsdiskussion unterstützen. Ein FX-Szenario lässt sich nach einer starken Währungsbewegung erneut berechnen. Dieselbe Analyse kann bei einer Hedging-Überprüfung oder während einer Vorstandssitzung eine konkrete Frage beantworten.
Mein Ziel ist, dass Treasury die Antwort rechtzeitig für die Entscheidung liefern und zugleich zeigen kann, wie sie berechnet wurde.
Für mich ist das der Maßstab: schnell genug für die Entscheidung und transparent genug für die Prüfung.
Marc Vietor
Chief Product Officer, Nomentia