Wenn Treasury ein Sicherungsgeschäft abschließt, ist die wirtschaftliche Logik klar: Es besteht ein Exposure, und dieses Risiko soll abgesichert werden.
Werden die Anforderungen des Hedge Accounting angewendet, kann aus dieser klaren wirtschaftlichen Logik schnell ein fragmentierter Bilanzierungsprozess werden. Die Sicherungsbeziehung wird dokumentiert, die Methodik festgelegt, die Effektivität beurteilt, Effekte im OCI und in der Gewinn- und Verlustrechnung (GuV) berechnet und Buchungen erstellt. Teile dieser Arbeit wiederholen sich am nächsten Abschlussstichtag.
Aus meiner Sicht sollte der Bilanzierungsworkflow deshalb viel enger mit dem Hedge verbunden bleiben, aus dem er entstanden ist.
Die Designation gehört an den Anfang des Hedge-Accounting-Prozesses
Der erste relevante Schritt ist die Designation.
Ist eine Sicherungsbeziehung für Cashflow Hedge Accounting vorgesehen, müssen Sicherungsinstrument, Grundgeschäft, abgesichertes Risiko, Sicherungsquote und Methode zur Effektivitätsbeurteilung von Anfang an Teil der Dokumentation sein.
Ich möchte nicht, dass Teams den Hedge in einem System ausführen und die Sicherungsbeziehung kurz vor dem Monatsabschluss in einem separaten Dokument erneut aufbauen. Die formale Dokumentation sollte mit der Sicherungsbeziehung beginnen.
Systemgenerierte Hedge-Dokumentation schafft Kontinuität
Ein Dokument automatisch zu erstellen ist hilfreich. Der größere Nutzen entsteht jedoch dadurch, dass Dokumentation und zugrunde liegende Sicherungsbeziehung miteinander verbunden bleiben.
Wird ein Rebalancing notwendig, darf die formale Hedge-Dokumentation nicht auf ihrem ursprünglichen Stand stehen bleiben, während sich die operative Sicherung bereits verändert hat. Wird die Effektivität neu beurteilt, müssen Methodik und Nachweise entsprechend aktualisiert werden.
Genau diese wiederkehrenden Prozessschritte sollte Software den Spezialisten abnehmen.
Buchungen sollten dem definierten Hedge-Ereignis folgen
Dasselbe Prinzip gilt für Buchungen.
Ist über die hinterlegten Buchungsregeln festgelegt, wie eine Treasury-Transaktion oder ein Hedge-Ereignis bilanziell zu behandeln ist, sollte das System die entsprechenden Buchungen konsistent erzeugen können.
Beim Cash Flow Hedge betrifft das unter anderem den effektiven Anteil im OCI, Ineffektivitäten in der GuV und Buchungen im Zusammenhang mit Rebalancing. Mir ist lieber, das Team prüft diese Ergebnisse, als dass es sie im Abschluss jedes Mal manuell neu erstellt.
Beim Hedge Accounting muss der unterstützte Umfang klar sein
Hedge Accounting ist kein Bereich für pauschale Aussagen. Der unterstützte Funktionsumfang muss eindeutig sein.
Treasury and Hedge Accounting von Nomentia unterstützt als Sicherungsinstrumente FX Forwards, FX Swaps und Single-Currency Interest Rate Swaps. Zu den unterstützten Grundgeschäften gehören mit hoher Wahrscheinlichkeit erwartete Fremdwährungstransaktionen, FX-denominierte Darlehen und Einlagen, variabel verzinsliche Instrumente sowie qualifizierende Gruppen von Positionen, die eine Nettoposition bilden.
Diese Klarheit ist wichtig, weil Treasury-Teams genau wissen müssen, für welche Richtlinien und Portfolios der Workflow geeignet ist.
Treasury Accounting und Hedge Accounting sollten dieselbe Ereignishistorie nutzen
Dass das vollständige Produkt Treasury and Hedge Accounting heißt, ist bewusst so gewählt.
Treasury Accounting umfasst die Buchungen, die aus Finanztransaktionen entstehen. Hedge Accounting ergänzt einen spezialisierten Lebenszyklus für qualifizierende Sicherungsbeziehungen. In der Praxis basieren beide Bereiche häufig auf denselben Finanzinstrumenten und Ereignissen.
Bleiben beide Bereiche verbunden, muss Finance weniger parallele Aufzeichnungen rund um den Treasury-Prozess pflegen.
Ein besserer Monatsabschluss beginnt mit dem, was nicht mehr zusammengesucht werden muss
Ich erwarte nicht, dass Hedge Accounting zu einem Ein-Klick-Prozess wird. Dafür ist zu viel Fachwissen erforderlich, und das ist richtig so.
Ich erwarte aber einen besseren Ausgangspunkt für den Monatsabschluss. Zum Abschlussstichtag sollte die Sicherungsbeziehung dokumentiert sein, Änderungen sollten erfasst, die Effektivität belegt und Buchungen gemäß der definierten Behandlung erzeugt sein.
Die Spezialisten können sich dann auf Sicherungsbeziehungen und Ausnahmen konzentrieren, bei denen fachliches Urteil gefragt ist, statt den ersten Teil des Abschlusses mit dem Zusammentragen von Nachweisen zu verbringen.
Prüfbarkeit sollte aus dem Treasury-Workflow entstehen
Prüfungsnachweise sind belastbarer, wenn sie im Prozess entstehen, statt nachträglich für den Prozess zusammengestellt zu werden.
Zeigt die Historie Designation, Dokumentation, Änderungen der Effektivität, Rebalancing und erzeugte Buchungen als Bestandteile derselben Sicherungsbeziehung, lässt sich der Prozess intern und extern klarer nachvollziehen.
Genau dorthin sollte sich Treasury-Software aus meiner Sicht entwickeln: Kontrollen und Nachweise sollten sich aus der Arbeitsweise selbst ergeben.
Gute Automatisierung schafft mehr Raum für fachliches Urteil
Treasury-Fachleute sollten für die Risikentscheidung verantwortlich bleiben. Accounting-Spezialisten sollten weiterhin dafür verantwortlich sein, die Bilanzierungsrichtlinie korrekt anzuwenden.
Software sollte mehr der wiederkehrenden Schritte dazwischen übernehmen: die Dokumentation aktuell halten, den Lebenszyklus abbilden, Buchungen generieren und die Prüfhistorie erhalten.
So wird Hedge Accounting besser handhabbar, ohne so zu tun, als wäre das zugrunde liegende Thema einfach.
Marc Vietor
Chief Product Officer, Nomentia