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10.9.2026 | Zuletzt aktualisert am 10.9.2026

6 min

Was ist neu in Nomentia Smart Treasury Suite? Ein Praxisleitfaden

Welche Herausforderungen wir damit lösen wollen

Wenn wir mit Treasury- und Finance-Teams über Technologie sprechen, beginnt das Gespräch fast immer bei einem konkreten Prozess. Reporting dauert zu lange. Die Prognoseerstellung ist aufwendig und bindet viele Ressourcen. Intercompany-Abstimmungen hängen noch an Excel. Hedge Accounting verursacht zum Monatsende unverhältnismäßig viel Arbeit. Und jemand im Treasury verbringt einen halben Tag damit, Fragen zu beantworten, deren Daten längst im System vorhanden sind.

Hinter diesen Einzelproblemen steckt oft dieselbe strukturelle Ursache: Der Prozess funktioniert, aber zwischen den einzelnen Treasury-Bereichen entsteht zu viel Zusatzaufwand.

Genau hier setzen die neuen Funktionen der Smart Treasury Suite an.

Wir haben die Suite in Bereichen erweitert, in denen Treasury mehr Transparenz, bessere vorausschauende Entscheidungsgrundlagen und weniger Brüche zwischen Analyse und Handlung braucht. Einige Funktionen nutzen KI, andere automatisieren Abläufe, die erstaunlich oft noch manuell sind. Gemeinsam ist ihnen, dass sie auf derselben Treasury-Grundlage arbeiten und nicht als weitere isolierte Schicht danebenstehen.

Im Folgenden geht es darum, was sich verändert - und was das für Treasury und Finance praktisch bedeutet.

Nomentia Analytics: mit einer verlässlichen Reporting-Basis beginnen

Eine der häufigsten Finance-Routinen ist noch immer erstaunlich repetitiv. Zahlungsdaten werden exportiert, bereinigt, in ein vertrautes Workbook verschoben, zu Pivot-Tabellen verarbeitet und mit dem Vormonat verglichen. Der Prozess funktioniert - aber im nächsten Monat beginnt derselbe Aufwand von vorn.

Nomentia Analytics bringt dieses wiederkehrende Reporting näher an die operativen Daten.

Vorkonfigurierte Dashboards und Reports werden von Nomentia erstellt und gepflegt. Sie beantworten typische Fragen zu Zahlungswert und -volumen, Währungen, Kontrahenten, Regionen, Zahlungsarten und Ablehnungsmustern. Der bewusste Fokus liegt auf Konsistenz: Ein Standard-Dashboard sollte bei jeder Nutzung dieselbe Logik liefern.

Für spezifischere Anforderungen bietet Nomentia Self-Service-Reporting auf derselben Datenbasis. Dabei bleibt klar getrennt, welche Logik Nomentia verantwortet und welche kundenspezifische Logik der Kunde selbst erstellt.

Natural-Language-Interaktion schafft einen weiteren Zugang. Gemeinsam mit Nomentia AI können Anwender Ad-hoc-Fragen direkt formulieren, anstatt aus jeder neuen Management-Frage ein weiteres Reporting-Projekt zu machen. KI kann dabei auch den Aufbau von Dashboards unterstützen.

Für mich ist das gewünschte Ergebnis einfach: Wiederkehrende Dashboards sollten bereits vorhanden sein. Ungewöhnliche Fragen sollten sich mit KI deutlich schneller und mit weniger Aufwand beantworten lassen.

Nomentia Predictive Forecasting: eine unabhängige zweite Perspektive auf die Prognose

Ich glaube nicht, dass KI allein die Verantwortung für die Cashflow-Prognose eines Unternehmens übernehmen sollte.

Treasury braucht weiterhin Informationen aus dem Business. Ein Modell kann nicht wissen, dass eine Tochtergesellschaft mit einem verspäteten Kundeneingang rechnet, weil sich eine Vertragsverhandlung geändert hat, oder dass eine Investition in ein anderes Quartal verschoben wurde - solange diese Information nicht in den Daten enthalten ist.

Was KI sehr gut liefern kann, ist eine zweite Perspektive.

Nomentia Predictive Forecasting analysiert historische Cashflow-Daten und erstellt eine separate KI-generierte Referenzprognose. Unterschiedliche statistische Ansätze werden automatisch bewertet und für jede Zeitreihe kann das jeweils leistungsfähigste Modell ausgewählt werden. Das Ergebnis steht neben der bestehenden Prognose zur Verfügung, anstatt sie zwingend zu ersetzen.

Der direkte Vergleich verändert die Diskussion.

Liegt die Prognose der Tochtergesellschaft nahe an der systemgenerierten Referenz, erhält Treasury einen zusätzlichen Anhaltspunkt dafür, dass die Annahme plausibel ist. Weichen beide deutlich voneinander ab, gibt es einen konkreten Grund zur Prüfung. Kunden können die KI-generierte Prognose aber auch direkt in ihre Planung übernehmen. Bei stabilen Cashflows lässt sich dadurch in manchen Fällen sogar auf eine separate manuelle Tochtergesellschaftsprognose verzichten und Aufwand reduzieren.

Deshalb geht es um mehr als Prognosegenauigkeit. Es geht auch um Vertrauen in die Prognose: Treasury sieht, was das Business erwartet, was historische Muster nahelegen und später, was tatsächlich eingetreten ist.

Nomentia AI and AI Agents: das System direkt fragen und Arbeit mit KI erledigen

Finanzsoftware hat eine eigenartige Ineffizienz: Die Antwort kann im System vorhanden sein, aber der Nutzer muss trotzdem genau wissen, wo er klicken muss, um sie zu finden.

Ein Treasury-Analyst möchte wissen, welche Zahlungen heute abgelehnt wurden. Der CFO fragt, wie viel im vergangenen Monat an einen Kontrahenten gezahlt wurde. Ein neues Teammitglied möchte verstehen, wie ein Prozess im System durchgeführt wird. Jede dieser Fragen kann wieder eine eigene Navigation auslösen.

Nomentia AI bietet einen Zugang in natürlicher Sprache zu den Treasury-Informationen, für die der Anwender bereits berechtigt ist.

Besonders intensiv haben wir uns mit der Governance dieses Zugangs beschäftigt.

Das Sprachmodell wird nicht zum Berechnungsmodul für Treasury. Finanzzahlen und Berechnungen kommen aus deterministischen Nomentia-Plattformservices. Die KI arbeitet innerhalb der Berechtigungen der Person, die die Frage stellt. Unterstützt sie eine Änderung im System, muss der vorgeschlagene Schritt ausdrücklich bestätigt werden. Bestehende Freigaben im zugrunde liegenden Treasury-Prozess bleiben erhalten.

Dasselbe Prinzip gilt für AI Agents, die bei der Prozessausführung Aufwand reduzieren können. Zugelassene MCP-fähige AI Clients wie Claude, ChatGPT oder Microsoft Copilot können über die Authentifizierung des Anwenders mit Nomentia interagieren - mit denselben Berechtigungen und Kontrollen.

Damit erhalten Unternehmen einen kontrollierten Weg für AI-Agent-Interaktionen, ohne außerhalb der Plattform ein paralleles Treasury aufzubauen.

Für mich ist das eines der wichtigsten Designprinzipien dieser Erweiterung: KI soll die Arbeit mit Treasury-Systemen einfacher machen, ohne das Kontrollmodell zu schwächen, auf das Treasury angewiesen ist.

Intercompany Netting: weniger Aufwand innerhalb des Konzerns

Intercompany-Aktivitäten wirken einfach, bis die Zahl der Gesellschaften, Währungen und gegenseitigen Verpflichtungen steigt.

Die Summe der Brutto-Transaktionen erzeugt schnell erheblichen operativen Aufwand. Positionen müssen abgestimmt, Differenzen geklärt, Bestätigungen eingeholt und Settlement-Zahlungen vorbereitet werden. Läuft das über Excel und E-Mail, wird Treasury zum Koordinator eines Prozesses, der sich nur schwer skalieren lässt.

Intercompany Netting bringt diese Aktivität in einen strukturierteren Workflow.

Brutto-Verpflichtungen können zu Nettopositionen und Settlement-Anweisungen zusammengeführt und Differenzen einfacher geklärt werden. Dadurch sinkt die Zahl der tatsächlichen Zahlungsbewegungen. Für Treasury geht der Nutzen über Prozesseffizienz hinaus: Die interne Liquidität wird transparenter und unnötige Cash-Bewegungen innerhalb des Konzerns werden reduziert.

Der Nutzen ist besonders hoch, wenn Netting, Payments und Liquidität nicht als getrennte Prozesse betrachtet werden.

Nomentia Hedge Accounting: IFRS-9-Nachweise in einen kontrollierten Prozess bringen

Bei FX- und Zinsabsicherungen können wirtschaftliche Entscheidung und buchhalterischer Prozess leicht auseinanderlaufen.

Treasury identifiziert ein Exposure und schließt eine Absicherung ab. Danach folgen Dokumentation, Effektivitätstest, OCI-Behandlung und Buchungssätze, die erforderlich sind, um die Hedge-Beziehung nach IFRS 9 oder anderen lokalen Rechnungslegungsstandards abzubilden.

In vielen Teams wird ein erheblicher Teil dieser Nachweise weiterhin in Tabellen und Monatsend-Routinen geführt.

Nomentia Hedge Accounting unterstützt den gesamten Hedge-Lebenszyklus nach IFRS 9 - von der erstmaligen Designation über weitere Hedge-Ereignisse bis zur finalen Abwicklung. Das System erstellt formale Hedge-Dokumentation, unterstützt Effektivitätstests und erzeugt Buchungssätze gemäß der definierten Hedge-Accounting-Behandlung.

Der initial unterstützte Umfang umfasst FX Forwards, FX Swaps und Single-Currency Interest Rate Swaps. Als Grundgeschäfte kommen unter anderem hochwahrscheinliche Fremdwährungstransaktionen sowie relevante FX- und variabel verzinste Exposures in Frage.

Der eigentliche Mehrwert besteht nicht nur darin, eine Berechnung zu automatisieren. Wichtiger ist die Kontinuität: Hedge-Beziehung, Dokumentation und buchhalterische Behandlung bleiben Teil eines kontrollierten und nachvollziehbaren Workflows, statt zum Periodenende neu zusammengesetzt zu werden.

Scenario Analysis: die Was-wäre-wenn-Frage im selben Finanzbild beantworten

Die Prognose zeigt, was Treasury aktuell erwartet. Scenario Analysis beantwortet die Frage, die unmittelbar danach folgt: Was passiert, wenn sich eine Annahme ändert?

Das kann eine FX-Bewegung sein, eine andere Liquiditätsannahme oder eine weitere finanzielle Veränderung, die Treasury vor einer Entscheidung verstehen muss.

Scenario Analysis soll diese Was-wäre-wenn-Perspektive in dieselbe Entscheidungsumgebung bringen, sodass Treasury alternative Entwicklungen vergleichen kann, ohne die Analyse wieder in ein separates Offline-Modell auszulagern. Gleichzeitig können auch Eventualpositionen wie Garantien im breiteren Liquiditätsbild berücksichtigt werden.

Wir werden die Funktion separat noch detaillierter erläutern. Auf Suite-Ebene ist ihre Rolle klar: Treasury kann von „Das ist unsere aktuelle Erwartung“ strukturiert zu „So verändert sich unsere Finanzlage unter einer anderen Annahme“ wechseln.

Die Funktionen werden stärker, wenn sie miteinander verbunden sind

Man könnte diese Erweiterungen als sechs einzelne Produktankündigungen betrachten. Damit würde man aus meiner Sicht den wichtigsten Teil übersehen.

Nehmen wir eine typische Treasury-Frage: Können wir unsere Liquiditätsposition für das nächste Quartal belastbar vertreten?

Nomentia Analytics erklärt, was bereits passiert ist. Nomentia Predictive Forecasting liefert eine unabhängige Perspektive auf das, was künftig passieren könnte. Scenario Analysis zeigt, wie sich die Lage verändert, wenn Annahmen wechseln. Nomentia AI ermöglicht einen schnelleren Zugang zu den Informationen. Intercompany Netting verbessert die Nutzung interner Liquidität. Nomentia Hedge Accounting verbindet die Risikomanagement-Entscheidung mit ihrem buchhalterischen Nachweis.

Keine dieser Entscheidungen existiert vollständig für sich allein.

Deshalb bauen wir die Suite auf einer gemeinsamen Grundlage aus Connectivity, Treasury-Daten, Workflows, Kontrollen und Reporting auf. Intelligence wird deutlich hilfreicher, wenn sie den operativen Kontext der Antwort bereits kennt.

Wo sollte Treasury beginnen?

Die Antwort ist für jedes Unternehmen anders.

Ein Team, das jeden Monat einen ganzen Tag mit dem Neuaufbau von Payment-Reports verbringt, hat eine andere Priorität als ein Treasury mit guter Cash Visibility, aber wenig Vertrauen in seine Prognose. Ein Unternehmen mit vielen Tochtergesellschaften kann den größten unmittelbaren Nutzen im Netting sehen. Ein anderes hat ein ausgereiftes Risikomanagement, verlässt sich beim IFRS-9-Nachweis aber weiterhin stark auf Tabellen.

Ich würde dort beginnen, wo eine manuelle Brücke besonders viel Reibung rund um eine wichtige Finanzentscheidung erzeugt.

Wo müssen Informationen das System verlassen, bevor sie wirklich nutzbar werden? Wo wird ein einzelner Experte zum Engpass für alle anderen? Wo gleicht das Team regelmäßig zwei Versionen derselben Zahl ab? Wo hängt eine kritische Kontrolle an Excel? Wo stellt das Management eine Frage, die Treasury nicht beantworten kann, solange das Gespräch noch läuft?

Diese Stellen zeigen, wo die Grundlage zuerst stärker werden muss.

Genau deshalb ist die Smart Treasury Suite modular. Treasury-Teams sollen einen Bereich verbessern können, ohne ein komplettes Systemersatzprojekt starten zu müssen - und trotzdem wissen, dass die nächste Funktion auf derselben operativen Grundlage aufbauen kann.

Wohin sich modernes Treasury entwickelt

Treasury-Technologie hat über viele Jahre einzelne Aufgaben automatisiert. Das bleibt wichtig. Die nächste Herausforderung besteht darin, dass diese automatisierten Bereiche besser zusammenarbeiten.

Eine Zahlung sollte in das Liquiditätsbild einfließen. Das Liquiditätsbild sollte die Prognose unterstützen. Die Prognose sollte unter unterschiedlichen Szenarien überprüfbar sein. Risikomanagement-Entscheidungen sollten mit Kontrollen und buchhalterischen Folgen verbunden bleiben. Nomentia Analytics sollte erklären, was passiert ist. Nomentia AI sollte Anwender schneller zu relevanten Informationen bringen, ohne einen Umweg an der Governance vorbei zu schaffen.

Genau in diese Richtung entwickeln wir die Smart Treasury Suite.

Für Treasury- und Finance-Teams sollte das praktisch bedeuten: weniger Zeit für das Zusammenbauen des Finanzbilds und mehr Zeit, um es zu interpretieren, kritisch zu hinterfragen und zu entscheiden, was als Nächstes zu tun ist.

 

Marc Vietor

Chief Product Officer, Nomentia