„Liquidität ist nicht alles, aber ohne Liquidität ist alles nichts.“ Dieser Satz trifft den Kern, denn Liquidität ist das Lebenselixier jedes Unternehmens. Dennoch bleibt die Planung oft im Schatten, bis schließlich der Druck steigt und der Restrukturierungsberater schon vor der Tür steht. Doch wie sieht in Zeiten von KI die perfekte Liquiditätsplanung aus?
Vor nicht allzu langer Zeit saß ich in einer Panel-Diskussion mit drei erfahrenen Treasurern, in der wir dieser Frage nachgingen. Die Antwort kam schnell und einstimmig: „There is no silver bullet.“ Die perfekte Planung gibt es nicht. Auch nicht mit KI. Einer der Teilnehmer nutzt KI für Prognosen, aber außerhalb des TMS, weil die wertvollsten Daten aus der E-Commerce-Plattform kommen. Ein anderer prüft KI-gestütztes Forecasting erst jetzt, da nach den turbulenten Covid-Jahren erstmals verlässliche Daten vorliegen. Und die dritte Stimme kämpft mit völlig unterschiedlichen Cashflow-Treibern in ihren Business Units.
Was aber alle betonten: Ohne stabile Datenbasis ist selbst die beste KI machtlos. Die Herausforderungen bleiben stets dieselben: Verstreute Daten, komplexe Systeme, menschliche Fehler und unklare Prozesse.
Die Daten liegen in Form von offenen Posten, Bestellungen oder Controlling-Pläne häufig über verschiedene Systeme verteilt vor. Das Zusammenführen kostet Zeit, ist fehleranfällig und mühsam. Zentralisierung und automatisierte Konsolidierung sind daher erste wichtige Schritte. Dabei ist Automatisierung für operative Liquiditätstreiber unverzichtbar, während „One-offs“ wie Dividenden oder große Investitionen weiterhin manuell geplant werden können.
Gerade in heterogenen ERP-Landschaften bietet ein Data Warehouse als Sammelstelle für Daten bereits enorme Vorteile: Einheitliche Daten, bessere Datenqualität, verlässliche Planung. Doch selbst dann scheitern Projekte oft noch an der Systemwahl. Viele Lösungen aus Accounting und Controlling „können“ zwar Planung, scheitern aber an Treasury-spezifische Anforderungen. Finanzstatus und Kreditlinien müssen eng mit der Planung verzahnt sein und auch bei IC-Abstimmung oder Währungsdifferenzierung liegt der Teufel oft im Detail.
Ohne klare Abstimmung zwischen Treasury, Accounting und Controlling drohen deshalb enttäuschte Erwartungen. Wenn etwa die Planung aus dem Controlling-Tool am Ende doch wieder in Excel landet und Finanzierungs-Cashflows oder Kreditlinien trotzdem manuell ergänzt werden müssen, ist der Effizienzgewinn dahin.
Ein TMS mit Planungsschwerpunkt kann hier den Unterschied machen: Es bündelt Fachwissen, automatisiert Prozesse und führt Finanzstatus und Planung zusammen. Zudem nutzen smarte Logiken vorhandene Planungen und historische Cashflow-Trends für präzisere Prognosen und schaffen Raum für wertschöpfende Aufgaben.
Dennoch: ein gutes System allein reicht nicht. Erfolgreiche Projekte binden Wissensträger aus Treasury, Controlling, Buchhaltung und HR ein. Klare Prozesse, definierte Verantwortlichkeiten und regelmäßige Schulungen verwandeln die Pflichtübung erst in einen gelebten Kernprozess.
Die Herausforderungen sind bekannt. Ein Patentrezept gibt es aber nicht. Doch wer in moderne Tools und klare Prozesse investiert, legt die Basis für präzisere Prognosen und mehr finanzielle Sicherheit. Jetzt ist der richtige Zeitpunkt, die eigene Liquiditätsplanung zu prüfen und bei Bedarf Unterstützung zu suchen.
Denn eines bleibt: Die beste Liquiditätsplanung ist die, die man hat.